Ein Projekt des Schweizerischen Gemeindeverbands.
Un projet de l’Association des Communes Suisses.
Un progetto dell’Associazione dei Comuni Svizzeri.

Innovativ? Ja! Und nachhaltig? – die Herausforderung für kommunale Projekte

08.01.2019

Innovativ? Ja! Und nachhaltig? – die Herausforderung für kommunale Projekte

Gastbeitrag von Jacqueline Zimmermann, Projektverantwortliche bei ProJuventute Kanton Bern

Mit Finanzhilfen für innovative Modellvorhaben zu einem bestimmten Thema fördert der Bund Projekte auf lokalen, regionalen und kantonalen Ebenen. Einerseits profitieren Gemeinden mit der Möglichkeit direkt am Projekt teilzunehmen und andererseits könnten Gemeinden die Ergebnisse der abgeschlossenen Projekte nutzen. Im Folgenden wird die Herausforderung von solchen Modellvorhaben beschrieben und aufgezeigt, wie das entwickelte Wissen aus diesen Vorhaben interessierten Kantonen und Gemeinden zugänglich gemacht werden kann.

Qualitätsregelkreis: Die Politik entwickelt systematisch eine Strategie, die sie laufend überprüft, ausgerichtet auf die Vision.

Qualitätsregelkreis: Die Politik entwickelt systematisch eine Strategie, die sie laufend überprüft, ausgerichtet auf die Vision.


Die Mitwirkung der Bevölkerung zur Stärkung der Gemeinschaft in der Gemeinde ist oft fester Bestandteil eines Gemeindeleitbildes und ein wichtiges Element bei der Auswahl eines Wohnortes. Innovative Ideen und lokale Projekte zur Stärkung des Sozialen Miteinanders sind gefragt und werden von diversen Stiftungen und Organisationen – unter anderem vom Bund – finanziell unterstützt. Dabei liegt der Fokus der Projektförderung auf dem Aspekt der Innovation. Es soll etwas Neues entstehen, gemeinnützig sein und nachhaltig wirken. Allerdings sind Unterstützungsbeiträge in der Regel auf eine bestimmte Zeit begrenzt. Es sollen einerseits qualitätssichernde Ergebnisse erarbeitet werden, und andererseits sollen die Weiterführung und die Finanzierung über das Projekt hinaus sichergestellt werden.
Wird ein Projekt eingereicht und eine Zusage erhalten, bedeutet dies ein grosser Glücksmoment und eine Pause in der Mittelbeschaffung. Endlich kann umgesetzt werden! Erste Ergebnisse werden - hoffentlich bald - sichtbar. Sind sie erfreulich, zeigen sie das Potenzial der Modellvorhaben auf und machen deutlich, dass eine Weiterführung erstrebenswert ist. Hier kommt die Frage nach der Nachhaltigkeit ins Spiel: Ist die Weiterführung finanziert und kann das Projekt in den laufenden Betrieb überführt werden?

Beiträge an Projektcharakter gebunden
Erneute Anfragen bei Stiftungen, Organisationen und öffentlichen Stellen machen klar: Das Projekt ist kein Projekt mehr, die Innovation ist bereits geschehen. Weitere Finanzierungen werden daher nicht geleistet. Absagen ähneln sich im Wortlaut: „weil es hier um eine Fortführung bzw. weitere Verbreitung von etwas Bestehendem geht, weniger um die Entwicklung von etwas Neuem, sind die Übereinstimmungen mit unseren Förderbedingungen nicht erfüllt.“

Das wirft die Frage auf: Wie können erfolgreiche und innovative Projektideen über die eigentliche Modellphase hinweg nachhaltig in der Gemeinde verankert respektive genutzt werden?

Einbinden in Qualitätsmanagement notwendig
Vor dem Hintergrund allgemeiner Budgetrestriktionen hinsichtlich neuer Angebote lokaler Partizipationsprozesse kann es helfen, wenn diese in ein umfassendes Qualitätsmanagement eingebunden werden. Es ist ein Anliegen der Politik, die Angebote zu überblicken und sie zu einer gemeinsamen Vision zu verpflichten: Die Stärkung der Gemeinschaft. Ähnlich wie es bei Vorgaben der Finanzhilfen von Modellvorhaben erwartet wird, können auch lokale Behörden als Geldgeber verlangen, dass Aktivitäten regelmässig evaluiert und bei Bedarf angepasst werden: Anhand eines übergeordneten Qualitätsregelkreis können sie so die vielseitigen Bedürfnisse erkennen und diese mit zielgerichteten Aktivitäten erfüllen. Als überaus wichtige Informationsquelle dienen hierbei die Erkenntnisse aus Modellvorhaben – d.h. sowohl die der bereits beteiligten Gemeinden selbst sowie die anderer Städte und Dörfer.

Laut ISO Norm* wird Qualität als „Gesamtheit von Merkmalen eines Produkts, zur Erfüllung von Forderungen von Kunden und anderer interessierten Parteien“ definiert. Kürzer und einfacher: Qualität ist, wenn Anforderungen und Bedürfnisse erfüllt werden. Dabei ist es wichtig, die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen miteinzubeziehen und laufend die Anforderungen der Bevölkerung zu überprüfen.

Qualität setzt voraus, dass alle Beteiligten ihre Bedürfnisse einbringen und gemeinsam die Entwicklung der Aktivitäten vorantreiben und mittragen können. Partizipation wird somit zum Grundelement einer wirkungsvollen Angebotsgestaltung und verkommt so nicht zur Worthülse. Bei einer breitabgestützten Beteiligung, die bereits am Anfang sichergestellt wird, besteht eine gute Chance, dass Qualität gelebt wird. Auch dazu liefern die Modellvorhaben wertvolle Aussagen, denn ohne partizipativer Entwicklungsprozess wird heute kaum mehr ein Projekt unterstützt.

Potenzial wahrnehmen: Marktplatz Innovation
Die Modellvorhaben bieten für die Gemeinden und Kantonen sehr viele Chancen, aber werden diese auch genügend genutzt?

„Quality is never an accident; it is always the result of intelligent effort“ schreibt John Ruskin. Es braucht ein intelligentes Vorgehen, um das vorhandene Wissen aus den Modellvorhaben den Gemeinden und Kantonen zugänglich zu machen. Dies auch, um die Verbreitung der Erkenntnisse aus den Modellvorhaben zu ermöglichen. Hier stellt sich jedoch die Frage der Zuständigkeit.

Eine beauftragte gut vernetzte Stelle, als Beispiel der Schweizerische Gemeindeverband, lädt zum Marktplatz der Innovation ein. Mittels dieser Austausch-Plattform können sich Gemeinden und Kantone über die neusten Entwicklungen und Ideen informieren. Dieser Austausch bietet zugleich eine niederschwellige direkte Kontaktaufnahme mit den zuständigen ProjektleiterInnen. Die Gemeinden profitieren, indem sie aus einer breiten Palette neuer getesteten Ansätze und Ideen, zielgerichtet ihre Aktivitäten einkaufen können. Damit wird nicht nur ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit wirkungsvoller Modellvorhaben geleistet, sondern auch der Austausch und die Vernetzung zwischen Bund, Kanton und Gemeinden werden gestärkt. Es mindert zudem die Gefahr, dass erneut ein Papier für die Schublade produziert wird.

*International Standard Organization

 
 

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